MANFRED PAUL - Polaroids



Manfred Paul tat gut daran, diese Serie über die Berliner Grenzlandschaft nach der Wende mit einer Instant-Kamera (Polaroid) zu schießen und nicht wie sonst mit einer Großformatkamera. Denn, vergleicht man diese Bilder mit dem heutigen Berlin, dann war Eile angebracht. Mit der Wende wandelte sich das Bild der Stadt innerhalb kürzester Zeit um 180 Grad, und genau das - und nur das - schien auch das Anliegen der Politik gewesen zu sein. So wenige Spuren wie möglich sollten noch an die 40-jährige Teilung der Stadt erinnern, daran, dass durch Deutschlands Herz einst eine Grenze führte. Und dennoch, was ist deutsche Heimat, wenn nicht ein Loch im Herz, das nicht verheilen mag.

 

Betrachtet man Pauls Aufnahmen, ist es kaum vorstellbar, dass all diese Plätze urbaner Ödnis so schnell verschwinden konnten. Es ist ebenso wenig vorstellbar, dass sie tatsächlich verschwunden sind. Zu dokumentarisch wirken diese Fotografien, ganz im Gegensatz zu den verträumten Hinterhöfen und Stillleben Pauls aus den siebziger und achtziger Jahren. Paul, der seit 1968 in Ost-Berlin lebt und arbeitet, fotografiert, wie manch anderer auch, um sich gewisse Dinge zu vergegenwärtigen. Und so erscheinen diese Bilder denn auch: nämlich wie der Versuch, sich auf radikale und schockierende Weise einer noch nicht bewusst gewordenen Tatsache zu vergewissern.

 

Text von Adrian Giacomelli, anlässlich der Ausstellung im NRW Forum Düsseldorf:
Heimat - Fotografien aus der DZ BANK Kunstsammlung im Feb. 2014


Polaroids, 1989-1990

 

Polaroid S/W

Je 4 original Polaroids: 8,2 × 10,8 cm

Blattgöße: 50 x 40 cm

Montiert auf Passepartoutkarton - mit Notizen des Fotografen vorderseitig.

Vintage

 

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