Gruppenausstellung: RAW EXPOSURE

Group Show: RAW EXPOSURE




Die Photo Edition Berlin präsentierte im Dezember 2015 die Ausstellung RAW EXPOSURE mit vier herausragenden Positionen von zeitgenössischer analoger und experimenteller Photographie. Ihnen gemeinsam ist der ungewöhnliche Bildfindungsprozess mit (an-)organischen und mechanischen Verfahren.

In December 2015, Photo Edition Berlin presented the exhibition RAW EXPOSURE with four outstanding positions of contemporary analogue and experimental photography. What they have in common is the unusual image-making process with (an-)organic and mechanical procedures.



Künstler

Artists


Seit 1993 arbeitet Edgar Lissel (*1965) als bildender Künstler. In seinen interdisziplinären Projekten spürt Edgar Lissel den Spannungen zwischen Naturwissenschaft, Kunstgeschichte, Archäologie und künstlerischer Intention nach und untersucht Bildprozesse und den ephemeren Zustand des Bildes. In seinen frühen Arbeiten nutzte Edgar Lissel in der Zeit von 1993 bis 1995 die Technik der Camera Obscura und verwandelte einen LKW in eine Lochkamera. Mit seinen Bildern von Architekturen aus dem italienischen Faschismus und dem deutschen Nationalsozialismus wurde er 1996 auf die Biennale für Architektur nach Venedig eingeladen. In weiteren Projekten verwandelte er ganze Wohnräume (1995 bis 1997) und Museumsvitrinen (1999 bis 2002) in eine Camera Obscura. In diesen Arbeiten vermischen sich die Fotogramme der Objekte in der Kamera mit dem Abbild außerhalb der Lochkamera. Später untersuchte Edgar Lissel die direkte Lichteinwirkung auf Bakterienkulturen. Er nutzte die fototaktischen (Phototaxis) Eigenschaften (die Bewegung zum Licht) der Cyanobacteria für seine künstlerische Bildproduktion. So zum Beispiel in der Domus Aurea in Rom. Bakterien, die für den Verfall der dortigen Fresken verantwortlich waren, nutzte er für einen neuen Bildprozess. Seit 2004 setzt Edgar Lissel die körpereigene Haut Flora für seine Bildproduktion ein. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Wissenschaftlern entstehen Körper-abdrucke durch die Bakterien auf seiner Hautoberfläche, die auf verschiedenen Nährböden und Leinenstoffen fixiert werden. Arbeiten Lissels befinden sich u. a. in den Sammlungen National Gallery of Canada, Sammlung der Bundesrepublik Deutschland, Victoria & Albert Museum London, Museum der Moderne Salzburg, MUSA Museum auf Abruf - Sammlung zeitgenössischer Kunst der Stadt Wien. Edgar Lissel lebt und arbeitet in Wien.

Edgar Lissel (*1965) has been working as a visual artist since 1993. In his interdisciplinary projects Edgar Lissel traces the tensions between natural science, art history, archaeology and artistic intention and investigates image processes and the ephemeral state of the image. In his early works, Edgar Lissel used the technique of camera obscura from 1993 to 1995, transforming a truck into a pinhole camera. With his images of architectures from Italian Fascism and German National Socialism, he was invited to the Biennale of Architecture in Venice in 1996. In other projects, he transformed entire living rooms (1995 to 1997) and museum display cases (1999 to 2002) into a camera obscura. In these works, the photograms of the objects inside the camera mix with the image outside the pinhole camera. Later, Edgar Lissel investigated the direct effect of light on bacterial cultures. He used the phototactic (phototaxis) properties (the movement towards the light) of cyanobacteria for his artistic image production. For example, in the Domus Aurea in Rome. He used bacteria that were responsible for the decay of the frescoes there for a new image process. Since 2004, Edgar Lissel has been using the body's own skin flora for his image production. In collaboration with various scientists, body imprints are created by the bacteria on the surface of his skin, which are fixed on various culture media and linen fabrics. Works by Lissel can be found in the collections of the National Gallery of Canada, Collection of the Federal Republic of Germany, Victoria & Albert Museum London, Museum der Moderne Salzburg, MUSA Museum auf Abruf - Sammlung zeitgenössischer Kunst der Stadt Wien, among others. Edgar Lissel lives and works in Vienna.



Der österreichische Künstler Harald Mairböck (* 1963) wird mit seinen seit 2012 entstandenen photographischen Werken vertreten sein. „a picture is a camera is a picture“ thematisiert den fotografischen Abbildungsprozess selbst und stellt diesen in einem Akt dar. Das Fotopapier dient dabei als Loch-Kamera. Die fertige Fotografie enthält alle Spuren des fotografischen Prozesses: die Spur des Objektivs, die Spuren der gefalteten Kamera und die Spuren der Lichtquellen, dem eigentlichen Foto im üblichen Sinn. Gezeigt werden die Unikate aus den Serien „cubes“, „tubes“, „liquid.camera“ und „capillary.print“ als auch seine Lichtskulpturen. Harald Mairböck lebt und arbeitet in Wien.

Austrian artist Harald Mairböck (* 1963) will be represented with his photographic works created since 2012. "a picture is a camera is a picture" thematizes the photographic imaging process itself and represents it in an act. The photographic paper serves as a pinhole camera. The finished photograph contains all traces of the photographic process: the trace of the lens, the traces of the folded camera and the traces of the light sources, the actual photograph in the usual sense. On display are the unique pieces from the series "cubes", "tubes", "liquid.camera" and "capillary.print" as well as his light sculptures. Harald Mairböck lives and works in Vienna.



Claus Stolz (*1963) betreibt die radikalste Form der analogen Fotografie. Wo andere die von der Sonne beschienenen Objekte ablichten, richtet er seine Kamera direkt auf den Himmelskörper. Durch Langzeit-belichtung verschiedener Filmmaterialien entstehen Bilder von ungeahnter Schönheit und Vielfältigkeit. Seit 15 Jahren arbeitet er nach diesem Verfahren, das er "Heliographie" nennt, wie schon 1822 der Begründer des fotografischen Verfahrens Joseph Nicéphore Nièpce - „von der Sonne gezeichnet“. Alle Variationen sind vom Prozess der Verbrennung beeinflusst - runde, ovale oder langgezogene, in die jeweilige Filmemulsion mehr oder minder stark eingebrannte Spuren der Zeit - abhängig von der Belichtungszeit handelt es sich um wenige Sekunden bis zu mehreren Stunden. Die Strahlungsintensität der Sonne, in manchen Werken abgeschwächt oder unterbrochen durch Bewölkung während der Belichtung, das verwendete fototechnische Aufnahmegerät und dessen Einstellungen (hier kommen Sammellinsen bis zu einem Meter Durchmesser zur Verwendung), das Filmmaterial sowie die Technik der Filmentwicklung bestimmen das Ergebnis. Seine Werke nehmen eine einzigartige Position in der Fotografie-Geschichte ein und wurden in zahlreichen Museen und Institutionen gezeigt – zuletzt in der Ausstellung „Lichtbild und Datenbild - Spuren Konkreter Fotografie“ im Museum Kulturspeicher Würzburg in 2015. Claus Stolz lebt und arbeitet in Mannheim.

Claus Stolz (*1963) pursues the most radical form of analog photography. Where others photograph objects illuminated by the sun, he points his camera directly at the celestial body. Through long-term exposure of various film materials, he creates images of unimagined beauty and diversity. For 15 years he has been working with this process, which he calls "heliography", like the founder of the photographic process Joseph Nicéphore Nièpce in 1822 - "drawn by the sun". All variations are influenced by the process of burning - round, oval or elongated traces of time burned into the respective film emulsion to a greater or lesser extent - depending on the exposure time, they range from a few seconds to several hours. The intensity of the sun's rays, in some works weakened or interrupted by clouds during the exposure, the photographic equipment used and its settings (here, converging lenses up to one meter in diameter are used), the film material, and the technique of film development determine the result. His works occupy a unique position in the history of photography and have been shown in numerous museums and institutions - most recently in the exhibition "Lichtbild und Datenbild - Spuren Konkreter Fotografie" at the Museum Kulturspeicher Würzburg in 2015. Claus Stolz lives and works in Mannheim.



In den Jahren von 1985 bis 1991 bannte Jiří Šigut (* 1960) in einer permanenten Dauerbelichtung (bei offener Blende) alltägliche Beschäftigungen wie Bus-, Zug- und Fahrstuhlfahrten oder Spaziergänge auf einem einzelnen Filmnegativ - Notizen zur Umgebungstemperatur und der Geräuschkulisse vervollständigten das Werk. Anfang der 90er Jahre erweitert der Fotograf seine Tätigkeiten in der freien Natur (Serie: Records ), wobei hier das Tageslicht und das Nachtlicht der Sterne, Mond, des Feuers oder Glühwürmchen die Szenerie illuminieren und auf dem lichtempfindlichen Träger des Fotopapiers sich einzeichnet. Er selbst sagt: Ich bin davon fasziniert, dass man mithilfe der Fotopapiere in der Zeit arbeiten und zusehen kann, wie sie das Licht und die Energie der unmittelbaren Umgebung aufsaugen. Sie können Million Jahre dauernde Prozesse und Naturkämpfe aufzeichnen, die schon der erste Mensch wahrgenommen hat. In der Ausstellung werden die Unikate der Serie Records  I + II als auch seine seit 2004 entstandenen Spermagramme zu sehen sein. Der Fotografie Historiker Josef Moucha zählt Jiří Šigut zu den zwanzig tschechischen Künstlern, die im 20. Jahrhunderts die Möglichkeiten der künstlerischen Fotografie erweitert haben. Er steht damit in einer Reihe mit Fotografen wie Josef Sudek, Frantisek Drtikol, Jaromir Funke, Jan Svoboda oder Josef Koudelka.  Jiří Šigut lebt in Ostrava, Tschechien.

In the years from 1985 to 1991, Jiří Šigut (* 1960) captured everyday activities such as bus, train and elevator rides or walks on a single film negative in a permanent continuous exposure (with an open aperture) - notes on the ambient temperature and background noise completed the work. At the beginning of the 90s, the photographer expanded his activities in the great outdoors (series: Records ), where the daylight and the night light of the stars, moon, fire or fireflies illuminate the scenery and mark themselves on the light-sensitive carrier of the photographic paper. He himself says: "I am fascinated by the fact that with the help of photographic paper you can work in time and watch how it absorbs the light and energy of the immediate environment. You can record million-year processes and natural struggles that the first man perceived. The exhibition will feature the unique pieces of the Records I + II series as well as his Spermagrams, created since 2004. Photography historian Josef Moucha counts Jiří Šigut among the twenty Czech artists who expanded the possibilities of artistic photography in the 20th century. He is thus in a row with photographers such as Josef Sudek, Frantisek Drtikol, Jaromir Funke, Jan Svoboda or Josef Koudelka. Jiří Šigut lives in Ostrava, Czech Republic.





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