CZECH PORTFOLIOS. AUSSTELLUNG / EXHIBITION


Ausstellung mit 6 Portfolios  der Avantgarde und den Klassikern der tschechischen Photographie des 20. Jahrhunderts

 

mit Frantisek Drtikol, Jaromir Funke, Jaroslav Rössler, Joseph Sudek und Milos Korecek

 

vom 07. März   ̶  16. April 2016

 

Eröffnung: Samstag, den 5. März um 19h

 

Die Photo Edition Berlin präsentiert ab dem 06. März 2015 die Ausstellung CZECH PORTFOLIOS mit fünf herausragenden Positionen tschechischer Photographie des 20. Jahrhunderts.


Download
"Czech Portfolios". Ausstellungskatalog / Exhibition catalogue
Katalog_Czech Portfolios.pdf
Adobe Acrobat Dokument 9.9 MB

František Drtikol (1883-1961)

Nach einer Fotografenlehre im Atelier Antonin Mattas in Příbram von 1898 bis 1901 besuchte Drtikol von 1901 bis 1903 die Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München. 1904 bis 1907 leistete er Militärdienst, von 1907 bis 1935 betrieb er ein eigenes Studio, zunächst in Příbram, später in Prag. 1945/46 war Drtikol Professor an der Schule für Graphik in Prag. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Aktphotographie. In seinen frühen Werken lässt sich der Einfluss des Prager Symbolismus und der "Art Nouveau" erkennen. In den 1920er und 30er Jahren prägten Stummfilm, Avantgarde und Art Deco sein Schaffen. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gab František Drtikol die Photographie auf und widmete sich fortan der Malerei. Sein Ruhm schwand und er starb 1961 einsam und vergessen. Erst in jüngerer Zeit nimmt sein Werk wieder einen hohen Stellenwert in der Geschichte der tschechischen Photographie ein.

 

 

Portfolio František Drtikol 10 Photographien. Portfolio V. Herausgeber: Prague House of Photography, 1995. Edition Nr. 26 /30 Editor: Suzanne Pastor


Jaromír Funke (1896–1945)

Während seines Jurastudiums 1918 bis 1922 in Prag begann Funke zu photographieren und war dort seit 1922 als freier Photograph tätig. 1922 gründete er mit Josef Sudek und anderen den Photoklub Prag, aus dem 1924 die Tschechische Photographische Gesellschaft hervorging. Zwischen 1927 und 1929 beschäftigte sich Funke hauptsächlich mit Photogrammen. 1929 entstand der Zyklus "Reflexe", 1930 bis 1934 "Die Zeit dauert" und 1940 bis 1944 "Ungesättigte Erde". 1931 bis 1934 war Funke Lehrer für Photographie an der Photographischen Berufsschule in Breslau, bis 1935 an der dortigen Schule des Kunsthandwerks Professor für Photographie und anschließend bis 1944 an der Staatlichen Graphischen Schule in Prag. Funkes große Bedeutung liegt nicht allein im photographischen Werk, sondern auch in seiner Tätigkeit als Lehrer, Kritiker und Theoretiker. 

 

Portfolio Jaromir Funke 10 Photographien. Portfolio IV. Herausgeber: Prague House of Photography, 1995.Edition Nr. 6 /30 Editor: Suzanne Pastor


Jaroslav Rössler (1902 – 1990)
Jaroslav Rössler erhielt eine erste photographische Ausbildung im Atelier von Frantisek Drtikol in Prag. Zwischen 1927 und 1935 lebte er in Paris. Rössler gehört zur Gruppe tschechischer Photographen, die in den 1920er und 1930er Jahren eine radikal abstrakte und konstruktivistische Kunstrichtung vertraten. Einflüsse des Kubismus, der Neuen Sachlichkeit, des Futurismus und anderer avantgardistischer Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts kommen auch in Rösslers Photographien zum Tragen. Geometrische Abstraktion, Schwarz-Weiß-Kontraste und scharfe Lichtkegel kombinierte der Photograph mit Techniken wie Collage und Doppelbelichtung.

 

Portfolio Jaroslav Rössler. 10 Photographien. Portfolio I. Herausgeber: Prague House of Photography, 1991. Edition Nr. 5/15 Editor: Suzanne Pastor

 

Josef Sudek (1896-1976)

 

gehört zu den zehn bedeutendsten Fotografen der Fotografiegeschichte. Sudek fotografierte alle Genres wie Naturaufnahmen, Landschaften, Akte, Porträts oder Stillleben. Sudek gilt als Chronist der Stadt Prag, in der er 1927 ein Fotoatelier einrichtete, "Praha Panoramicka", ein Buch mit Panoramaaufnahmen der Stadt vom Zentrum bis hinaus in die Peripherie, das 1959 erschien, zählt zu den ungewöhnlichsten Fotobüchern überhaupt. Doch letzlich verdankt Josef Sudek, der nur alte Plattenkameras benutzte und Großnegative bis zum Format 30 x 40 cm belichtete, seinen Ruhm den Stillleben von Alltagsgegenständen, die in seinem bescheidenen Gartenatelier entstanden und einer Serie, die den schlichten Titel "Blick aus meinem Fenster" trägt. Als Hitler 1939 Prag besetzte, waren Sudeks fotografische Streifzüge nicht mehr möglich, er entdeckte aber die Fensterscheibe seines Ateliers als Motiv, auf deren Fläche er den Lauf der Jahreszeiten dokumentierte.

 

Portfolio Josef Sudek. 

10 Photographs 1940-1972

Herausgeber Rudolf Kicken Gallery 1982

Edition 26/50


Milos Korecek (1908-1989)

 

gehörte zur bekannten tschechischen Künstlergruppe Ra der 1940er Jahre, die sich dem Surrealismus verschrieben hatten und ihre eigene Interpretation entwickelten. Er erfand durch ‚Zufall’ ein neues Verfahren, dessen Ergebnisse er 1947 ‚Fokalke’ (Lichtabruck) nannte. Obgleich die Fokalken nur von Milos Korecek gemacht wurden, stehen sie in der Geschichte des Surrealismus nicht allein. Raoul Ubac in Frankreich, Marcel Lefrancq in Belgien machten ihre Brulages. David Hare in den USA seine Chauffages. Alle drei erhitzen oder verbrannten zum Teil die Gelatine auf der Fotoplatte und vergrößerten das Ergebnis auf dem Fotopapier. Diese Experimente entstanden alle unabhängig voneinander im Laufe des II. Weltkrieges. Bei Korocek wurden für das Fokalisieren meistens die weniger gelungenen Negativplatten, oft mit Abbildungen von Kunstwerken seiner Künstlerkollegen benutzt. Obwohl der Fokalk vom Zufall geprägt war, wurde er nicht alleine von ihm bestimmt. Der andere Anteil, der des Künstlers, formt ihn erst zum Fokalk, davor ist es nur eine fotografisch bearbeitete Platte. Der Bearbeitungsprozeß, die Auswahl, der Ausschnitt und die Interpretation machen aus dem ursprünglich nur belichteten Fotoplatte einen Fokalk. Korecek hat sich dagegen gewehrt, den Fokalk als Fotografie zu bezeichnen, doch heute kann man ihn als Vorläufer der konkreten Fotografie bezeichnen. Wir zeigen zwei Portfolios mit Fokalken - Album 10 fokalků pro Josefa und Vánoce, die kurz vor seinem Tod 1987 entstanden sind und zum ersten mal in Deutschland zu sehen sind.

 



newsletter