MANFRED PAUL - Interview


"Alle waren nach Berlin gekommen, um etwas zu suchen"

 

Interview von Katerina Oikonomakou, September 2013

 

Manfred Paul, einer der bedeutendsten Fotografen der DDR und ein liebenswürdiger, wortkarger Mensch, ist ein Künstler, der in seinem Werk immer wieder auf der Suche nach dem ist, was es heißt, Mensch zu sein. Seine Bilder, ob in Schwarz-Weiß oder in Farbe, erzählen Geschichten, die dem Betrachter Zeit und Aufmerksamkeit abverlangen. Umso besser, wenn man dies auch tut. Ein langes Gespräch mit dem Künstler in seinem lichtdurchfluteten Atelier in Prenzlauer Berg war eine Freude.

 

Was hat Ihr Interesse an der Fotografie geweckt?

Wahrscheinlich war es nicht so sehr die Fotografie selbst, die mein Interesse geweckt hat, sondern die Bilder. Und zu Bildern bin ich über die Literatur gekommen. Als ich noch studierte, hatte ich das Glück, einen sehr guten Deutschlehrer zu haben, der uns mit Rilke bekannt machte - ich war tief beeindruckt von seinen Texten, die meine Fantasie anregten. Ich habe mir immer wieder Bilder im Kopf ausgedacht, sehr detailliert, was mich unbewusst dazu brachte, den Szenen, die sich im Alltag abspielten, große Aufmerksamkeit zu schenken. Ich war fasziniert von der Fähigkeit, eine Geschichte durch Bilder zu erzählen. Dazu musste ich lernen, mit einer Kamera umzugehen.

 

Haben Sie dann Fotografie studiert?

Nein, nach der Schule kam eine Zeit, in der ich verschiedene Möglichkeiten in Betracht zog, wie es in diesem Alter üblich ist. Lange Zeit dachte ich, ich sollte Philosophie studieren. Dann begann ich mich für Theater und Schauspiel zu interessieren. Also arbeitete ich irgendwann als Bühnenassistent, dann als Regieassistent, und im Laufe der Zeit wurde ich in die Abläufe der Theaterfotografie hineingezogen. Aber ich neigte immer dazu, diese von Menschenhand geschaffenen Szenen, diese gewissermaßen metaphorischen Bilder, gedanklich Szenen und Bildern aus dem täglichen Leben gegenüber zu stellen. Ich fragte mich, wie die realen Entsprechungen dieser Szenen, die man auf der Bühne fotografiert hatte, in der Realität ablaufen würden; oder besser gesagt, wie ihr Wesen im Alltag dargestellt werden würde. Das war eine sehr gute Zeit in meinem Leben - wir haben viel gearbeitet, aber auch bis in die Nacht hinein lange Diskussionen über Kunst und Theater geführt. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Es vergingen zwei Jahre, bis ich mich an der HFF in Babelsberg für ein Studium der Filmkunst bewarb und einen Studienplatz bekam.

 

Haben Sie damals schon in Ost-Berlin gelebt?

Damals bin ich nach Berlin gezogen. Das Problem war aber, dass die Berliner einen Sonderstatus hatten und man eine Sondergenehmigung brauchte, um hier leben zu dürfen. Um die Sondergenehmigung zu bekommen, musste man eine Arbeit haben. Erschwerend kam hinzu, dass man, um einen Job zu bekommen, erst einmal einen festen Wohnsitz haben musste. Aber wie konnte man überhaupt eine Wohnung mieten, wenn man gar nicht erst hier wohnen durfte? Um dieses Hindernis zu überwinden, zogen die jungen Leute einfach in leere Wohnungen - und davon gab es jede Menge.

 

Sind Sie in eine leere Wohnung gezogen?

Genau, ich war ein Hausbesetzer in dieser Wohnung, in der wir jetzt sind. Am Anfang habe ich nur ein Zimmer bezogen, aber im Laufe der Jahre habe ich mir immer mehr Quadratmeter erarbeitet.

 

Wie war die Atmosphäre unter den Studenten an der Babelsberger Filmhochschule? Es war ja schließlich die DDR. Hatten Sie das Gefühl, dass dem Unterricht Grenzen gesetzt waren?

Ich glaube, das hätte ich nicht sagen können, weil ich keine Vergleichsmöglichkeiten hatte. Ich meine, wir waren eine ziemlich eingeschworene Gruppe von Leuten, und wir lernten über das, was im Westen passierte, indem wir Filme ansahen. Später erfuhr man einiges durch die Teilnahme an Treffen von Untergrundkünstlern in den Häusern von Freunden. Aber eigentlich hatte ich erst viel später, als das Französische Kulturzentrum in Ost-Berlin eröffnet wurde, die Möglichkeit, Leute von außerhalb der DDR zu treffen und Werke ausländischer Fotografen zu sehen - da habe ich zum Beispiel zum ersten Mal ein Foto von Henri Cartier Bresson gesehen. Das war in den frühen 1980er Jahren. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich schmerzlich wenig darüber, was Künstler in anderen Ländern gemacht haben.

 

Haben Sie also das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben?

Habe ich das nicht? Wer sich in der DDR für Fotografie interessierte, hatte zwei Möglichkeiten: entweder die Gruppe um Arno Fischer oder die offizielle Fotografie, die überall in den Medien zu finden war. Ich fand die Fotografie von Arno Fischer interessant, aber ich brauchte mehr. Viel später stieß ich auf die Arbeiten bestimmter Fotografen und dachte mir, wie schade, dass ich sie nicht schon zwanzig Jahre früher kannte. Ich hätte mir zum Beispiel die Fotografien von Eugene Adget ansehen sollen. Das Studium der Arbeiten unserer Vorgänger, das Kennenlernen der Geschichte unserer Vorfahren, ist für jeden, der Künstler werden will, von entscheidender Bedeutung. Wissen Sie, es gibt Dinge, die man zum Glück schon als junger Mensch lernen kann.

 

Andererseits müssen Sie während Ihrer Zeit an der Filmschule eine Menge großartiger Filme gesehen haben.

In der Tat hatte ich reichlich Gelegenheit, großartige Filme und auch einige der besten Dokumentarfilme zu sehen. Filme von großen Künstlern zu sehen, die Art und Weise zu beobachten, wie sie eine Geschichte konstruieren, und auch die Geschichten selbst - das war eine Erfahrung, die das Leben prägt. Es ist ein großes Privileg, sich in die Bilder von Fellini, Antonioni, Godard und natürlich Fassbinder vertiefen zu können.

 

Ursprünglich wollten Sie also eine Karriere beim Film machen. Warum sind Sie davon abgekommen?

Wir sind alle auf die Filmhochschule gegangen und haben Träume von den Filmen, die wir machen wollten, gehegt und gepflegt, mit der Illusion, dass es durchaus möglich wäre, im Kino zu arbeiten. Aber die DDR war ein sehr kleines Land, es gab nicht genug Jobs für uns alle. So war es für mich sehr schwer, Arbeit als Kameramann zu finden. Alles war schon besetzt. Wir standen alle in der Schlange und warteten auf eine freie Stelle. Irgendwann gelang es mir schließlich, einen Job beim Fernsehen zu bekommen. Etwa zu dieser Zeit begann ich, mehr Zeit mit dem Fotografieren zu verbringen und mich allmählich der Fotografie zu widmen.

 

In diese Zeit fällt auch Ihre Serie "Berlin Nordost 1972-1990. Am Rande der stehenden Zeit" zurückgeht?

Ja, ich bin einfach rausgegangen, durch den Prenzlauer Berg gelaufen und habe fotografiert. Alles war so anders als die ländliche Umgebung, die mir vertraut war. Durch das Fotografieren wollte ich Ostberlin und vor allem meinen Kiez kennen lernen, diese kleine Welt, in der ich lebte.

 

Was waren Ihre ersten Eindrücke von Ost-Berlin?

Es war Herbst, als ich hier ankam. Alles war grau und melancholisch, es lag sogar eine gewisse Traurigkeit über der Stadt, aber auf mich wirkte sie so herrlich aufregend. Und was vielleicht noch interessanter war, war, wie viele Gleichgesinnte es hier gab und wie leicht wir zusammenhielten. Die Zusammenkünfte in der Ostberliner Wohnung waren so lebendig und aufregend. Jeder war auf der Suche nach etwas nach Berlin gekommen, jeder wollte hier sein. Das war schon etwas Besonderes.

 

Und was haben Sie gesucht, als Sie sich aufmachten, den Prenzlauer Berg zu fotografieren?  

Zunächst war ich motiviert durch die schiere Unbekanntheit dieses neuen Lebensraums, die Umgebung, die Art, wie die Menschen leben. Das hatte nichts mit dem zu tun, was ich als Kind in meinem kleinen Dorf erlebt hatte. Aus dieser Erkenntnis heraus entstand der Gedanke, dass ich Bilder von dem machen sollte, was ich da sah. Und ich spürte, ich spürte wirklich, dass das, was vor meinen Augen stand, nur vorübergehend war, dass es diese Welt nicht mehr lange geben würde. Das Fotografieren hatte vielleicht mit dem unbewussten Bedürfnis zu tun, Dinge vor dem Verschwinden zu bewahren.

Die Geschichte war in diesen Wohnhäusern aus der Jahrhundertwende sehr lebendig. Mit der Zeit begann ich mich dafür zu interessieren, wie sich die sozialen Strukturen auf die Wohnverhältnisse ausgewirkt hatten. Das erklärt, warum ich die Innenhöfe fotografiert habe. Bis zum Ende des Krieges bewohnten die wohlhabenderen Schichten die der Straße zugewandte Seite des Gebäudes, während die Angestellten um den Innenhof herum wohnten und die Wohnungen des zweiten Innenhofs den Arbeiterfamilien vorbehalten waren. Es ist bemerkenswert, dass die Menschen, die ich in den Wohnungen des zweiten Innenhofs getroffen und fotografiert habe, schon immer dort gewohnt haben.

 

Ich versuche mir vorzustellen, wie diese Menschen einen völlig Fremden sehen, der in ihren Häusern ein- und ausgeht und Fotos macht. Es war Ostberlin und es war der Kalte Krieg; waren sie da nicht misstrauisch oder hatten sogar Angst vor Ihnen?

Einige von ihnen schon. Auf der einen Seite standen die eher willfährigen Bürger, die dachten, ich wolle dem Westfernsehen Zeugnisse von allem liefern, was in unserem sozialistischen Land alt, kaputt und zerstört war. Denn warum, so dachten sie, sollte jemand etwas fotografieren wollen, das so alt und traurig ist? Auf der anderen Seite standen diejenigen, meist ältere Menschen, die die Kriege erlebt hatten. Sie hatten definitiv keine Angst, ihre Karriere zu riskieren. Sie waren einfach neugierig, warum ich fotografierte, und luden mich oft zu sich nach Hause auf einen Kaffee ein. Sie sprachen mit mir über ihr Leben, erzählten mir Geschichten darüber, wie Berlin Jahrzehnte zuvor war und was sie erlebt hatten.

Ich war sehr interessiert an den Verbindungen zwischen ihnen und dem Ort selbst. Zufälligerweise waren es immer die Unauffälligen, die ich fotografiert habe. Und die haben sich meistens gar nicht darum gekümmert, was ich gemacht habe, die wollten nur ein bisschen aufräumen, und ich musste sie aufhalten, sie bitten, alles so zu lassen, wie es war. "Aber du willst dieses Chaos fotografieren?", fragten sie dann.

 

Ihre Stillleben aus dieser Serie sind also nicht inszeniert? Die Kompositionen sind perfekt.

Nein, sie sind nicht inszeniert, ich würde nichts daran ändern. Aber ich habe immer mit der Komposition begonnen und dann ein Bild gemacht. Bei mir geht es immer um die Suche nach der Form und die Suche nach der Zeit. Diese alten Stillleben konnte ich nicht mehr machen, die Erfahrung hat mich dazu gebracht, die Dinge mit weniger Sentimentalität zu betrachten, nüchterner zu sein und Abstand zu gewinnen.

 

Mit dem Privileg der Zeit und der Erfahrung, was hat die Fotografie für Sie bedeutet?

Die Fotografie war ein Weg, das Leben selbst zu verstehen, ein Weg, sich zu fragen, ob die Essenz des Lebens einfach im Leben liegt. Und ich habe versucht, herauszufinden, auf welche Weise es möglich sein könnte, dies in einem Bild festzuhalten. Was andere vielleicht mit Worten erzählen, musste ich in Bildern wiedergeben. Mit der Fotografie wollte ich sowohl erkunden als auch eine Geschichte über das Leben erzählen.

 

Waren Sie jemals in West-Berlin?

Nur einmal, während eines Sommerurlaubs mit meinen Eltern. Auf dem Weg zur Ostsee sind wir durch West-Berlin gefahren und haben dort eine Nacht verbracht. Wir kamen zufällig an einem offenen Rockkonzert vorbei, und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie beeindruckt ich von der Atmosphäre war. Im Osten hatte man uns gesagt, wie dekadent Rockmusik sei, und ich war sehr überrascht, wie fröhlich all diese jungen Leute aussahen.

 

War das nicht ein Kulturschock?

Doch, das war es. Ich war damals 18 Jahre alt und war in einem System aufgewachsen, in dem von allen Schülern erwartet wurde, dass sie Mitglied der Freien Deutschen Jugend werden. Gleichzeitig hatte ich aber das Glück, eine wunderbare Deutschlehrerin zu haben, eine ältere Frau, die mit uns nach dem Unterricht lange Gespräche über die Werke von Rilke und Shakespeare führte. Es war nur natürlich, dass ich anfing, das, was mir in der Schule beigebracht wurde, zu hinterfragen und mich für die Philosophie zu interessieren. Und dann sah ich plötzlich, wie das Leben in West-Berlin aussah. Ich war sehr aufgewühlt und verwirrt, ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte.

 

Konnten Sie Ihre Zweifel mit jemandem teilen? Was ist mit Ihrer Familie?

Meinem Vater hatte es nie gefallen, dass ich als kleiner Junge zu den Jungen Pionieren gegangen war. Er war ein konservativer, patriotischer deutscher Offizier, der Philosophie studiert hatte. Ich bin in der Nähe meines Großvaters aufgewachsen, und sein Einfluss war immer größer als der meines Vaters, den ich schon mit elf Jahren kennen lernte. Er war Kriegsgefangener in Russland gewesen und kam 1953 als gebrochener Mann zurück. Mein Großvater war ein überzeugter Kommunist, der mir einmal sagte, dass "nach dem Krieg alle Faschisten Mitglieder der kommunistischen Partei wurden". Deshalb hatte er die Partei verlassen. Er hatte Recht, wissen Sie.

 

Hat Ihr Vater jemals über die Jahre gesprochen, die er als Kriegsgefangener verbracht hat?

Nein, er hat nie ein Wort gesagt. Viele Jahre später gelang es meiner Frau, ihn dazu zu bringen, sich ihr gegenüber zu öffnen.

 

Hat Ihre Mutter darüber gesprochen?

Nein, das hat sie nicht. Wissen Sie, meine Mutter hatte seine Bibliothek verbrannt. Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, hatte sie Angst, dass die Russen bald vor unserer Tür stehen würden. Sie nahm die Bibliothek meines Vaters mit in den Garten und verbrannte alle seine Philosophiebücher. Sie hat alles verbrannt.

 

Sie haben vorhin erwähnt, dass Ihr Vater nicht glücklich darüber war, dass Sie den Jungen Pionieren beigetreten sind. Hat er Ihre Entscheidungen jemals offen missbilligt?

Das musste er, als ich mich bei der Marine meldete, um Offizier zu werden. Er setzte sich mit mir zusammen und wir hatten ein langes Gespräch. Er erzählte mir, dass er, als Hitler beschloss, in den Krieg zu ziehen, das Gefühl hatte, als patriotischer Offizier sei es seine Pflicht, zu dienen. Später wurde ihm klar, dass er in diesem Glauben einen schweren Fehler begangen hatte. Er hätte den Befehl zum Dienen nicht bedingungslos befolgen sollen. Ich sollte nicht denselben Fehler begehen. Ich sollte hinterfragen, was mir beigebracht wurde, und selbständig denken.

 

Ich bin neugierig auf Ihre Meinung zu "Das Leben der Anderen", das ein großer Erfolg war.

Das ist ein Haufen Mist, da ist nichts drin, was der Realität nahe kommt. Ein Stasi-Offizier war ein ganz anderer, völlig unberechenbarer und viel gefährlicherer Mensch. Ich habe viele Freunde, die die Erfahrung gemacht haben, mit der Stasi zu tun zu haben, und ich weiß sehr gut, dass die Realität viel brutaler war. Viele unserer Freunde sind daran zerbrochen. Ein Mann, den ich sehr gut kannte, verschwand plötzlich, und zwei Tage später war er wieder da. Aber er war ein anderer Mensch. Bald darauf ging er auf die andere Seite über.

 

Hatten Sie jemals Probleme mit der Stasi?

Nun, die hatten wir alle. Aber in meinem Fall war der Druck hauptsächlich psychologischer Natur. Natürlich haben sie versucht, mich zur Zusammenarbeit zu bewegen, aber ich habe sie abgewiesen. Das war für mich nie eine Option, auch wenn es bedeutet hätte, dass ich meinen Beruf aufgeben müsste. Ich habe ein Verhör erlebt, aber nur einmal. Es hat eine ganze Nacht gedauert. Es war verrückt: Sie führten mich in einen Raum mit acht Ecken. Und an fast jeder Wand gab es eine Tür. Die ganze Nacht hindurch gingen Leute durch diese Türen ein und aus und stellten genau dieselben Fragen. Wieder und wieder. Es war extrem stressig und anstrengend, denn es war sehr wichtig, allen genau die gleichen Antworten zu geben. Freunde hatten mich gewarnt, ich solle ruhig bleiben und niemals meine Konzentration verlieren. Ich habe es geschafft, am Ende haben sie mich gehen lassen. Auf jeden Fall hatte man immer und sehr zu Recht Angst vor der Stasi.

 

Haben Sie Ihre Akte gelesen?

Nein, das habe ich nicht. Bevor die Akten zugänglich gemacht wurden, haben meine Frau und ich erfahren, wer die fünf oder sechs Personen waren, die uns bespitzelt haben. Das hat uns gereicht, mehr wollten wir beide nicht wissen. Zwei dieser Personen haben sich umgebracht... Man weiß nie, unter welchen Umständen sie getan haben, was sie getan haben, oder unter welchem Druck sie standen, als sie zustimmten, IM zu werden.

 

Sie sind seit vielen Jahren Professor für Fotografie. Was wollten Sie Ihren Studenten immer mit auf den Weg geben?

Dass sie mir immer misstrauen sollen, in dem Sinne, dass sie alles, was ich ihnen sage, in Frage stellen müssen. Das Wichtigste ist, dass sie die Dinge selbst beurteilen und ihr eigenes Weltbild entwickeln. Das braucht natürlich Zeit.

 

       

“Everybody had come to Berlin searching for something”

Interview by Katerina Oikonomakou, September 2013

One of the most important photographers to come out of the GDR and a kind, soft-spoken man, Manfred Paul is an artist whose work is consistently in search of what it means to be human. His pictures, be they in black & white or in colour, tell stories that demand of the viewer to devote time and attention. All the more better if one indeed does so. Having a long conversation with the artist in his light-filled Prenzlauer Berg studio has been a joy.
 
What got you interested in photography, in the first place?
It probably was not so much photography itself that first attracted my interest, as images. And to images, I arrived through literature. While I was still a student, I was lucky to have a very good German literature teacher who introduced us to Rilke – I was deeply impressed by his writing which triggered my imagination. I was always creating images in my mind, in great detail, which unconsciously led me to paying great attention to scenes playing out in everyday life. I was fascinated by the ability to narrate a story through images. I had to learn to use a camera, to do that.
 
Did you then go on to study photography?
No, after school came a time where I was considering a number of different possibilities as usually happens at that age. For a long time I was thinking I should study philosophy. Then I started having an interest in theatre and acting. So at some point, I ended up working as stage assistant, then as an assistant to the director and as time went by I was drawn into the workings of theatre photography. But I always tended to mentally juxtapose these man-made scenes, these in a way metaphorical images, with scenes and images from everyday life. I was wondering how the real-life equivalents of those scenes one photographed on stage, would be played out in reality; or rather how their essence would be represented in everyday life. This was a very good time of my life – we were working a lot, but also having long discussions into the night about art and the theatre. I learnt a lot during that time. Two years would pass before I applied and secured a place to study cinematography, at the HFF in Babelsberg.
 
Did you already live in East Berlin at the time?
That was when I moved to Berlin. But the problem was that Berliners had a special status and one needed a special permit in order to be allowed to live here. To get the special permit, you had to have a job. To make things even more difficult, in order to get a job, you had to first have a permanent address. But how was it ever possible to rent a place when you were not allowed to live here in the first place? So what young people would do in order to overcome this obstacle, was to simply move into empty apartments – and there were loads of those.
 
Did you move into an empty apartment?
Exactly, I was a squatter in this apartment that we’re now in. At first I just moved into one room, but as years went by, I worked my way into more square metres.
 
What was the atmosphere like among students at the Babelsberg Film School? This was the GDR, after all. Did you feel there were limits imposed on what you were being taught?
I think I wouldn’t have been able to tell, because I had nothing to compare it with. I mean we were a pretty close-knit group of people and we would learn about what was happening in the West through watching films. Later one would learn some things by attending underground artists’ gatherings in friends’ houses. But actually it was not until much later, when the French Cultural Centre opened in East Berlin that I had the chance to meet people from outside the GDR and see works by foreign photographers -that’s when I first laid my eyes on a photograph by Henri Cartier Bresson, for instance. That was the early 1980s. Up until that time I knew painfully little about what artists in other countries had been pursuing.
 
Do you, then, feel that you missed out on something important ?
Didn’t I? Anybody interested in photography in the GDR had two options available: either the group around Arno Fischer, or official photography that was everywhere in the media. I found Arno Fischer’s photography interesting, but I needed more. Much later I would happen upon the work of certain photographers and think to myself that it was such a pity I had not known about these twenty years earlier. I should have been able to see the photographs of Eugene Adget, for instance. To study the work of what has come before us, to get to know the history of our forebears, is critical to anyone who aspires to become an artist. You know, there are some things that one is lucky to learn as a young person.
 
On the other hand, you must have watched a lot of great films during your time in film school.
Indeed I had ample opportunity to watch great movies and as well as some of the best documentaries. Watching films by the great artists, observing the way they construct a story, and the stories themselves, too; this was a life forming experience. For anyone to be able to delve deep into the images of Fellini, Antonioni, Godard  and of course Fassbinder, is a huge privilege.
 
Your initial intention, then, was to pursue a career in the cinema. Why did you stray?
We all went to film school nurturing dreams about the films we would make, nurturing the illusion that it would be perfectly possible to work in the cinema. But the GDR was a very small country, there were not that enough jobs around for all of us. So it was very hard for me to find work as a cinematographer. Everything was already taken. We all stood in line waiting for an opening. And at some point, I finally managed to land a job in television. It was about that time that I started spending more time taking pictures and gradually devoting myself to photography.
 
That’s the time to which your series “Berlin Nordost 1972–1990. Am Rande der stehenden Zeit” go back to?
Yes, I would simply go out, walk around Prenzlauer Berg and take pictures. Everything was so different than the rural setting that had been familiar to me. By taking pictures, I wanted to get to know East Berlin, and especially my neighbourhood, this small world I was living in.
 
What were your first impressions of East Berlin?
It was autumn when I arrived here. All was grey and melancholic, there was even a sadness about the city, but to me it seemed so wonderfully exciting. And what was maybe even more interesting, was how many like-minded people were around and how easily we stuck together. The gatherings that took place inside the East Berlin apartment were so lively and exciting. Everybody had come to Berlin in search of something, everybody wanted to be here. It was quite something.
 
And what were you looking for, when you set out to take pictures of Prenzlauer Berg?  
At first I was motivated by the sheer unfamiliarity of that new habitat; the setting, the way people lived. This was nothing like what I had known growing up in my small village. From that realization came the thought that I should make pictures of what I was witnessing. And I sensed, I really did sense, that what was standing before my eyes was only temporary, that this world would not be there for much longer. Taking pictures maybe had to do with an unconscious need to save things from being lost.
History was very much alive in those turn-of-the-century apartment buildings. With time, what started to interest me was to examine how the social structures had affected housing arrangements. That explains why I was photographing the inner courtyards. Up until the end of the war, the wealthier classes would occupy the side of the building that was facing the street, with the clerks living around the inner courtyard, leaving the apartments of the second inner courtyard for the working class families. It is remarkable that the people that I met and photographed in the apartments of second inner courtyard, had always lived there.
 
I am trying to imagine those people, seeing a complete stranger walking in and out of their buildings, taking pictures. This was East Berlin and it was the Cold War; weren’t they at all suspicious or even scared of you?
Some of them were. On one side were the rather compliant citizens, who thought that I  intended to provide western television with testimonies of all that was old, broken and destroyed in our socialist country. Because, according to their way of thinking, why would anyone want to take pictures of something that is so old and sad? And on the other side were those, usually older people, who had lived through the wars. They definitely had no fear of risking their careers. They were simply curious as to why I was taking pictures and would often invite me in their homes for a coffee. They would talk to me about their life, tell me stories about how Berlin used to be decades earlier and what they had been through.
I was very interested in the bonds between them and the place itself. It just so happened that it was always the inconspicuous ones that I photographed. And they usually didn’t care at all about what I did, they simply wanted to tidy up their place a little and I had to stop them, to ask them to leave everything as it was. “But you want to take pictures of this mess?” they’d wonder.
 
So your still lives from that series are not staged? They compositions are perfect.
No, they are not staged, I wouldn’t touch a thing. But I have always started with the composition and then took a picture. With me, it’s always the search for the form and the search for the time. These old still lives I couldn’t do anymore, experience has made me look at things with less sentimentality, to be more sober and to take a distance.
 
With the privilege of time and experience, what has photography been for you?
Photography was a way to understand life itself, a way to wonder whether the essence of life lies in simply living. And I was trying to find out in what ways it may be possible to capture this in an image. What others might use words to narrate, I needed to tell in pictures. With photography I have wanted as much to explore, as to tell a story about life.
 
Had you ever been to West Berlin?
Only once, during a summer holiday with my parents. On our way to Ostsee, we drove through West Berlin and spent a night there. There was an open rock concert that we happened to pass by, and I can very vividly recall how impressed I was by the atmosphere. In the East we were being told how decadent rock music, so I was very surprised to see how joyful all those young people looked.
 
Wasn’t that a culture shock?
Well, it was. I was 18 years old at the time and had grown up in a system where all students were expected to become members of the Free German Youth. At the same time,  however, I was lucky to have this wonderful German literature teacher, an older woman, who had long conversations with us after class about the work of Rilke and Shakespeare. It was only natural that I would start to question what I was taught in school and start to take an interest in philosophy. And on top of that, I suddenly saw how life looked in West Berlin. I was very upset and confused, I didn’t know what to think anymore.
 
Could you share your doubts with anybody? What about your family?
My father had never liked it when I had joined the Young Pioneers, as a young boy. He had been a conservative, patriotic German officer who had studied Philosophy. I grew up near my grandfather and his influence has always been greater than that of my father, whom I got to know when I was already eleven years old. He had been a war prisoner in Russia and came back a broken man in 1953. My grandfather was a committed communist who once told me that “after the war all the fascists became members of the communist party”. That’s why he had left the Party. He was right, you know.
 
Did your father ever speak about the years he spent as a war prisoner?
No, he never said a word. Many years later, my wife managed to get him to open up to her.
 
Did your mother talk about it?
No, she didn’t. You know, my mother had burnt his library. After Germany lost the war she had been terrified that the Russians would soon be at our door. She took my father’s library out in the garden and burnt all his philosophy books. She burnt everything.
 
You mentioned earlier that your father was not happy about you joining the Young Pioneers. Did he ever openly disapprove of your choices, though?
He had to, when I enlisted in the Navy planning to become an officer. He sat me down and we had a long talk. He told me that when Hitler decided to go to war, he had felt that as a patriotic officer it was his duty to serve. He later realized he had made a grave mistake believing so. He shouldn’t have unquestioningly followed the order to serve. I shouldn’t make the same mistake. I should question what I was being taught and think for myself.
 
I am curious as to your opinion of “The Lives of Others”, which has been a huge success.
It’s a load of crap, there’s nothing in it that comes close to reality. A Stasi officer was a very different, totally unpredictable and a lot more dangerous person. I have many friends who have had the experience of dealing with the Stasi and I know very well that the reality was a lot more brutal. Many of our friends broke. One man that I knew very well suddenly disappeared and then two days later he was back. But he was a changed person. Soon afterwards he went over to the other side.

 

Did you ever have problems with the Stasi?
Well, we all had. But in my case the pressure had been mainly psychological. Of course they had attempted to get me to cooperate with them but I turned them down. This was never an option for me, even if it meant that I would have to abandon my profession. I have experienced a questioning, but only once. It lasted a whole night. It was crazy: they led me to an eight-cornered room. And there was a door on almost each one of the walls. All through the night people would go in and out of those doors, asking exactly the same questions. Again and again. It was extremely stressful and exhausting because it was very important to give all of them exactly the same answers. Friends had warned me I should keep calm and never lose my concentration. I managed it, in the end they let me go. In any case, one was always and very rightly scared of the Stasi.
 
Have you read your file?
No, I haven’t. Before the files were made available, my wife and I learnt who were the five or six persons who had been spying on us. That was enough, neither of us wanted to know more. Two of those people have killed themselves…One never knows under what circumstances they did what they did, or what kind of pressure they were under when they agreed to become IM.
 
You have been a professor of photography for many years. What is it that you have always wanted your students to learn from you?
That they should always mistrust me, in the sense that they must put everything I tell them into question. What’s most important is that they judge things for themselves and develop their own worldview. Naturally that takes time.
 
       





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