Cristina García Rodero


Cristina García Rodero-España oculta
Verstecktes Spanien
Cristina García Rodero-Rituales en Haiti
Rituals in Haiti
Cristina García Rodero-María Lionza
María Lionza. The goddess of water eyes

Cristina García Rodero
Combating nothingness
Cristina García Rodero
Portfolio
Cristina García Rodero-Lalibela, cerca del cielo
Lalibela, near the sky


Zeitgenössische Fotografie aus Spanien

 

 Wir freuen uns, sie zur Ausstellung der beiden Meister der spanischen Fotografie einladen zu können:

 We are pleased to invite you to the exhibition of the two masters of Spanish photography:

 

Cristina García Rodero + Chema Madoz

 

Dauer der Ausstellung: vom 29. Oktober - 24. Januar 2018 (verlängert!)


Cristina García Rodero wurde in Puertollano, Spanien geboren. Sie studierte Malerei an der Kunstschule der Universität Madrid, bevor sie sich der Fotografie zuwandte. Anschließend absolvierte sie eine Lehrerausbildung und arbeitete hauptberuflich im Bildungswesen. In den nächsten 16 Jahren widmete sie sich auch der Erforschung und Fotografie von volkstümlichen und traditionellen Festen - religiösen und heidnischen - vor allem in Spanien, aber auch in ganz Europa. Dieses Projekt gipfelte in ihrem Buch España Oculta, das 1989 erschien und mit dem "Book of the Year Award" beim Arles Festival of Photography ausgezeichnet wurde.

 

Im selben Jahr erhielt García Rodero auch den renommierten W. Eugene Smith Foundation Preis. Der dokumentarische und ethnologische Wert ihrer Arbeit ist beachtlich, aber die ästhetische Qualität ihrer Fotografie macht sie zu mehr als nur einer visuellen Aufzeichnung. 

 

In den letzten Jahren bereiste García Rodero die ganze Welt auf der Suche nach anderen Kulturen mit besonderen Traditionen. Vier Jahre lang ging sie mehrmals nach Haiti, wo sie Voodoo-Rituale dokumentiert und eine Reihe von expressiven Porträts und bewegenden Szenen produziert hat, die von engagierten dokumentarischen Beobachtungen flankiert werden. Rituale in Haiti wurde erstmals 2001 auf der Biennale in Venedig gezeigt.

 

Cristina García Rodero hat zahlreiche Preise erhalten, u. a. 1996 in Spanien den Premio Nacional de Fotografía. Ihre Arbeiten wurden international veröffentlicht und ausgestellt. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht und ist seit mehr als 15 Jahren Mitglied der Agentur Vu. Garcia Rodero kam 2005 zu Magnum und wurde 2009 Vollmitglied.

Cristina García Rodero was born in Puertollano, Spain. She studied painting at the School of Fine Arts at the University of Madrid, before taking up photography. She then qualified as a teacher and worked full-time in education. For the next 16 years, she also dedicated her time to researching and photographing popular and traditional festivities - religious and pagan - principally in Spain but also across Mediterranean Europe. This project culminated in her book España Oculta published in 1989, which won the "Book of the Year Award" at the Arles Festival of Photography.

 

The same year, García Rodero also won the prestigious W. Eugene Smith Foundation Prize. The documentary and ethnological value of her work is considerable, but the esthetic quality of her photography makes it more than a simple visual record. 

 

In recent years, García Rodero has traveled around the world in search of other cultures with particular traditions. Over a period of four years, she went several times to Haiti, where she has documented voodoo rituals, producing a series of expressive portraits and moving scenes flanked by engaging documentary observations. Rituals in Haiti was shown for the first time in the 2001 Venice Biennale.

 

Cristina García Rodero has received many prizes, including the Premio Nacional de Fotografía in 1996 in Spain. Her work has been widely published and exhibited internationally. She has published several books and has been a member of the agency Vu for more than 15 years. Garcia Rodero joined Magnum in 2005 and became a full member in 2009.



Between heaven and earth by Cristina García Rodero Magnum Photos

 

Länge: 4:14 Min.


Der Hauptfeind eines Fotografen ist nicht der Mensch, sondern die Angst

 

Interview von Natalia Volodina für Bird in flight

 

In Hidden Spain ging es um uralte Feste und Rituale. Wie haben Sie zum ersten Mal an diesem Thema gearbeitet?

Ich besuchte mehrere Dorffeste und erkannte, dass dieses Thema sehr reichhaltig und gleichzeitig wenig bekannt war. Das Stipendium das ich gewonnen habe, hat mir geholfen, mich voll und ganz der Forschung zu widmen, da es meine Reisen bezahlte. Dann begann ich Informationen über verschiedene Feste und Rituale zu sammeln, die in den Provinzen noch lebendig waren. Um einige der Feiertage, die nicht jährlich sind, zu fotografieren, wartete ich fünf oder sechs Jahre lang. Ich rief meine Informanten an, ging ihnen auf die Nerven und fragte sie, ob in diesem Jahr etwas los sei.

 

Wer waren Ihre Informanten?

Telefonistinnen. Sie verbanden mich mit den Leuten, die ich brauchte, wie der Priester, der einige Details wusste. Auch Bettler waren eine große Hilfe. Jetzt haben wir Google und Navigatoren, aber zu dieser Zeit sammelte ich die knappen Informationen, die mir zur Verfügung standen, und machte mich auf den Weg in ein entferntes Dorf. Es war eine Reise ins Unbekannte, oft habe ich mir nicht vorstellen können, was dort auf mich wartete.

Es ist schwer zu sagen, was nun interessanter war - die Bilder, die ich bekommen habe, oder der Weg, der zu ihnen führte.

 

Ist es Ihnen gelungen, die verborgene Seite Spaniens für sich selbst zu öffnen?

Das war alles, was ich damals tat. Zum Beispiel hörte ich von Winterkarnevals, die an einem Heiligabend in einer der Provinzen stattfindet. Sie begannen Nachts mit maskierten Prozessionen. Niemand außerhalb dieser Provinz wusste von den Masken oder Prozessionen. Dies war eine Entdeckung sowohl für mich als auch für die Wissenschaftler.

 

Was haben Sie in Haiti und Venezuela gesucht?

Nach Hidden Spanien wurde mir klar, dass ich daran interessiert bin, menschliches Verhalten während eines religiösen Rituals zu studieren. Ich wollte Kulte ohne Vorurteile zeigen. Ich habe schon oft gehört, dass zum Beispiel ein Voodoo-Kult schrecklich, hässlich und grausam ist. Das kam von Leuten, die noch nie eine Voodoo-Prozession gesehen haben. Damals beschloss ich, Voodoo-Rituale zu fotografieren, später interessierte ich mich für den Kult von María Lionza. Ich war fasziniert, wie schön das Ritual war.

 

Wenn man Ihre Bilder von der Kultstätte von María Lionza betrachtet, dann ist dort in der Tat eine Menge Grausamkeit. Die Gläubigen sind alle blutbefleckt, wenn sie vom Boden aufsteigen.

Einige verletzen sich absichtlich, um in den Zustand tiefer Trance zu kommen. Niemand wurde jedoch während des Rituals verletzt. Jedenfalls nicht unter meiner Aufsicht. Jeder blieb am Leben und es ging allen gut.

 

Haben Sie die Kulturgeschichte studiert, bevor Sie mit Ihrer Arbeit begonnen haben?

Nein. Ich hatte ein aufrichtiges Interesse an dem, was vor sich ging, und es führte mich, es half mir zu arbeiten. Ich glaube nicht, dass es besser gewesen wäre, mit viel Hintergrundwissen zu fotografieren. Es wäre wahrscheinlich schlimmer gewesen. Die Leute um mich herum beschrieben, was vor sich ging, als ich mich zum fotografieren vorbereitete.

 

Das Kultthema ist schwierig, weil es für Fotografen schwer ist, sich an heiligen Orten zu arrangieren. Es gibt sofort dieses Problem der Beleidigung der Gefühle der Gläubigen. War das auch für Sie ein Thema?

Eines wurde mir klar: Der Hauptfeind des Fotografen sind nicht die Menschen, sondern die Angst. Es ist die Angst, die im Weg steht. Um sie zu überwinden, musst du kommunizieren. Ich verbrachte viel Zeit mit den Gläubigen, ich lebte mit ihnen. Manchmal küssten sie mich, und manchmal zeigten sie mir die Tür. Aber wenn du in ihren Kreis trittst, hören sie auf, dir Aufmerksamkeit zu schenken, und dann kannst du fotografieren. Wenn jemand überhaupt keine Bilder will - ist es ok, ich höre auf zu fotografieren. Priester gewöhnen sich an mich mit der Zeit. Eine Sache, die geschah, war, dass sie mir auf dem Sorte Mountain in Venezuela verboten, einen Blitz zu benutzen, da die Leute befürchteten, dass wenn der Blitz ihre Augen trifft, sie in Trance bleiben werden bis zum Ende ihres Lebens. Ich musste darauf verzichten.

 

Haben Sie schon einmal selbst an irgendwelchen Ritualen teilgenommen, um den Menschen zu zeigen, dass Sie zu ihnen gehören, oder um Abstand zu halten?

Ich nehme nie an religiösen Ritualen teil wo ich gerade beobachte. Ich versuche dort immerAbstand zu halten. Andernfalls müsste ich an spirituellen Séancen, Schamanentänzen, magischen, katholischen und orthodoxen Ritualen teilnehmen... Die Priester haben oft die Gnade, die sie während der Rituale empfingen, mit mir geteilt. Sie baten mich herzukommen und segneten mich. Und dazu kannst du nicht nein sagen. Und wann immer mir jemand sagte: "Wenn du willst, werden wir dich jetzt reinigen", weigerte ich mich unter verschiedenen Vorwänden.

 

Halten Sie sich auch während Feierlichkeiten und großen Festen fern?

Manchmal werde ich aufgeregt wegen des Karnevalsgeistes. Ich war vor kurzem in Sizilien, alle auf dem Platz tanzten, also konnte ich nicht anders, als auch zu tanzen. Es gibt jedoch auch Unterhaltungsangebote, die ich nie verstanden habe, wie z. B. Sexshows.

 

Du drehst du aber auch Sexshows und liebst Paraden?

Auf eine seltsame Weise fühle ich mich sowohl vom Geist als auch vom Körper angezogen. Das sind zwei gegensätzliche Seiten unserer Existenz: die eine kann weder im wirklichen Leben noch in meinen Bildern ohne die andere sein. Sie sind wie Leben und Tod, die Hand in Hand gehen. Deshalb fange ich weiterhin religiöse Rituale und Liebesparaden, Beerdigungen und die ersten Minuten nach der Geburt eines Neugeborenen ein.

The Main Enemy of a Photographer Is Not People, But Fear

 

Interview by Natalia Volodina for Bird in flight

 

Hidden Spain was about ancient celebrations and rituals. How did you first start working on this theme?

I attended several village celebrations, and realized this theme was very rich and at the same time little known. The grant I won helped me fully dedicate myself to research, as it paid for my trips. Then, I started collecting information about different festivals and rituals that were still alive in the provinces. To shoot some of the holidays that are not annual, I waited for five or six years. I called my informers, got on their nerves and asked whether there was anything going on this year.

 

Who were your informers?

Telephone operator girls. They connected me to the people I needed, like the priest who knew some details. Beggars were also a lot of help. Now we have Google and navigators, but at that time I collected whatever scarce information was available and set off for a distant village. It was a trip to the unknown, often I did not imagine, what waited for me there. It is hard to say now what was more interesting — the pictures I got, or the path that lead to them.

 

Did you succeed in opening the hidden side of Spain for yourself?

This was all I was doing at the time. For instance, I heard about winter carnivals celebrated one Christmas Eve in one of the provinces. They started at night with processions in masks. Nobody outside this province knew about the masks or the processions. This was a discovery both for me and for the scientists.

 

What were you looking for in Haiti and Venezuela?

After Hidden Spain I realized that I am interested in studying human behavior during a religious ritual. I wanted to show cults without prejudice. I have heard many times that a voodoo cult, for instance, is awful, ugly, and cruel. This was coming from people who have never seen a voodoo service. This was when I decided to shoot voodoo rituals, later I took interest in the cult of María Lionza. I was mesmerized by how beautiful the ritual was.

 

Judging from your pictures from the place of worship of María Lionza, there is indeed a lot of cruelty. The believers are all bloodied when they rise from the ground.

Some injure themselves intentionally, to enter the state of deep trance. However, nobody was hurt during the ritual. Not on my watch anyway. Everyone stayed alive and well.

 

Did you study the history of cults before you started your work?

No. I had a sincere interest in what was going on, and it led me, it helped me work. I don’t think coming to shoot with a lot of background knowledge would have been better. It would have probably been worse. People around me described what was about to start going on as I was getting ready to shoot.

 

The cult theme is difficult, because it’s hard for photographers to arrange to shoot in holy places. There is immediately this issue of offending the feelings of believers. Was this an issue for you, too?

There was one thing I realized: the main enemy of the photographer is not people, but fear. It is fear that stands in the way. To conquer it, you need to communicate. I spent a lot of time with the believers, I lived with them. Sometimes they kissed me, and sometimes they showed me the door. But when you enter their circle, they stop paying attention to you, and then you can shoot. If someone doesn’t want any pictures at all — it is ok, I stop shooting. Priests get used to me with time, too. One thing that happened was that on Sorte Mountain in Venezuela they prohibited me from using a flash, as people were afraid that if the flash hits their eyes, they will remain in a trance till the end of their lives. I had to do without it.

 

Have you ever participated in any rituals yourself, to show the people that you are one of them, or you keep your distance?

I never participate in religious rituals that I am shooting. I always try to keep my distance there. Otherwise, I would have to participate in spiritualistic seances, shaman dances, magic, Catholic, and Orthodox rituals… The priests have often shared the grace they received during the rituals with me though. They asked me to come near and blessed me. And you can’t really say no to that. And whenever anyone told me: “If you want, we will purify you now”, I refused under different pretexts.

 

Do you also keep your distance during the celebrations and crowded festivals?

I sometimes get excited by the carnival spirit. I was recently in Sicily, everyone in the square was dancing, so I couldn’t help but start dancing, too. However, there are kinds of entertainment that I never understood, such as sex shows.

 

You do shoot sex shows and love parades, too, though?

In a strange way, I feel attracted by both the spirit and the body. These are two opposite sides of our existence: one cannot be without the other in real life, nor in my pictures. They are like life and death that go hand in hand. This is why I continue capturing religious rituals and love parades, funerals and the first minutes after a new baby is born.




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