RAW EXPOSURE
  

Photographische Werke mit (an-)organischen und mechanischen Verfahren

 

mit Edgar Lissel (AT), Harald Mairböck (AT), Claus Stolz (D) und Jiri Sigut (CZ)

 

vom 06.12.2015  ̶  13.02.2016

 

 

Die Photo Edition Berlin präsentiert ab dem 05. Dezember 2015 die Ausstellung RAW EXPOSURE mit vier herausragenden Positionen von zeitgenössischer analoger und experimenteller Photographie. Ihnen gemeinsam ist der ungewöhnliche Bildfindungsprozess mit (an-)organischen und mechanischen Verfahren.

Pressemitteilung
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Seit 1993 arbeitet Edgar Lissel (*1965) als bildender Künstler. In seinen interdisziplinären Projekten spürt Edgar Lissel den Spannungen zwischen Naturwissenschaft, Kunstgeschichte, Archäologie und künstlerischer Intention nach und untersucht Bildprozesse und den ephemeren Zustand des Bildes. In seinen frühen Arbeiten nutzte Edgar Lissel in der Zeit von 1993 bis 1995 die Technik der Camera Obscura und verwandelte einen LKW in eine Lochkamera. Mit seinen Bildern von Architekturen aus dem italienischen Faschismus und dem deutschen Nationalsozialismus wurde er 1996 auf die Biennale für Architektur nach Venedig eingeladen. In weiteren Projekten verwandelte er ganze Wohnräume (1995 bis 1997) und Museumsvitrinen (1999 bis 2002) in eine Camera Obscura. In diesen Arbeiten vermischen sich die Fotogramme der Objekte in der Kamera mit dem Abbild außerhalb der Lochkamera. Später untersuchte Edgar Lissel die direkte Lichteinwirkung auf Bakterienkulturen. Er nutzte die fototaktischen (Phototaxis) Eigenschaften (die Bewegung zum Licht) der Cyanobakterien für seine künstlerische Bildproduktion. So zum Beispiel in der Domus Aurea in Rom. Bakterien, die für den Verfall der dortigen Fresken verantwortlich waren, nutzte er für einen neuen Bildprozess. Seit 2004 setzt Edgar Lissel die körpereigene Hautflora für seine Bildproduktion ein. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Wissenschaftlern entstehen Körper-abdrucke durch die Bakterien auf seiner Hautoberfläche, die auf verschiedenen Nährböden und Leinenstoffen fixiert werden.

Arbeiten Lissels befinden sich u. a. in den Sammlungen National Gallery of Canada, Sammlung der Bundesrepublik Deutschland, Victoria & Albert Museum London, Museum der Moderne Salzburg, MUSA Museum auf Abruf - Sammlung zeitgenössischer Kunst der Stadt Wien.

Edgar Lissel lebt und arbeitet in Wien.

 

Der österreichische Künstler Harald Mairböck (* 1963) wird mit seinen seit 2012 entstandenen photographischen Werken vertreten sein. „a picture is a camera is a picture“ thematisiert den fotografischen Abbildungsprozess selbst und stellt diesen in einem Akt dar. Das Fotopapier dient dabei als Loch-Kamera. Die fertige Fotografie enthält alle Spuren des fotografischen Prozesses: die Spur des Objektivs, die Spuren der gefalteten Kamera und die Spuren der Lichtquellen, dem eigentlichen Foto im üblichen Sinn. Gezeigt werden die Unikate aus den Serien „cubes“, „tubes“, „liquid.camera“ und „capillary.print“ als auch seine Lichtskulpturen.

 

Harald Mairböck lebt und arbeitet in Wien.


 

Claus Stolz (*1963) betreibt die radikalste Form der analogen Fotografie. Wo andere die von der Sonne beschienenen Objekte ablichten, richtet er seine Kamera direkt auf den Himmelskörper. Durch Langzeitbelichtung verschiedener Filmmaterialien entstehen Bilder von ungeahnter Schönheit und Vielfältigkeit. Seit 15 Jahren arbeitet er nach diesem Verfahren, das er "Heliographie" nennt, wie schon 1822 der Begründer des fotografischen Verfahrens Joseph Nicéphore Nièpce - „von der Sonne gezeichnet“. Alle Variationen sind vom Prozess der Verbrennung beeinflusst - runde, ovale oder langgezogene, in die jeweilige Filmemulsion mehr oder minder stark eingebrannte Spuren der Zeit - abhängig von der Belichtungszeit handelt es sich um wenige Sekunden bis zu mehreren Stunden. Die Strahlungsintensität der Sonne, in manchen Werken abgeschwächt oder unterbrochen durch Bewölkung während der Belichtung, das verwendete fototechnische Aufnahmegerät und dessen Einstellungen (hier kommen Sammellinsen bis zu einem Meter Durchmesser zur Verwendung), das Filmmaterial sowie die Technik der Filmentwicklung bestimmen das Ergebnis.

Seine Werke nehmen eine einzigartige Position in der Fotografie-Geschichte ein und wurden in zahlreichen Museen und Institutionen gezeigt – zuletzt in der Ausstellung „Lichtbild und Datenbild - Spuren Konkreter Fotografie“ im Museum Kulturspeicher Würzburg in 2015.

Claus Stolz lebt und arbeitet in Mannheim.

In den Jahren von 1985 bis 1991 bannte Jiří Šigut (* 1960) in einer permanenten Dauerbelichtung (bei offener Blende) alltägliche Beschäftigungen wie Bus-, Zug- und Fahrstuhlfahrten oder Spaziergänge auf einem einzelnen Filmnegativ - Notizen zur Umgebungstemperatur und der Geräuschkulisse vervollständigten das Werk. Anfang der 90er Jahre erweitert der Fotograf seine Tätigkeiten in der freien Natur (Serie: Records ), wobei hier das Tageslicht und das Nachtlicht der Sterne, Mond, des Feuers oder Glühwürmchen die Szenerie illuminieren und auf dem lichtempfindlichen Träger des Fotopapiers sich einzeichnet. Er selbst sagt: Ich bin davon fasziniert, dass man mithilfe der Fotopapiere in der Zeit arbeiten und zusehen kann, wie sie das Licht und die Energie der unmittelbaren Umgebung aufsaugen. Sie können Million Jahre dauernde Prozesse und Naturkämpfe aufzeichnen, die schon der erste Mensch wahrgenommen hat.


In der Ausstellung werden die Unikate der Serie Records  I + II als auch seine seit 2004 entstandenen Spermagramme zu sehen sein. Der Fotografiehistoriker Josef Moucha zählt Jiří Šigut zu den zwanzig tschechischen Künstlern, die im 20. Jahrhunderts die Möglichkeiten der künstlerischen Fotografie erweitert haben. Er steht damit in einer Reihe mit Fotografen wie Josef Sudek, Frantisek Drtikol, Jaromir Funke, Jan Svoboda oder Josef Koudelka.

Jiří Šigut lebt in Ostrava, Tschechien.

VIDEO - VERNISSAGE TV

Interview mit Chema Madoz anlässlich seiner Ausstellung in Photo Edition Berlin in 2013.

Ein Film von bnd. 10.36 min

 

Ausstellung Eliska Bartek. Geheime Fotografie, 2015.

Ein Film von bnd 6:43 min

Interview mit Roger Humbert anlässlich seiner Ausstellung in Berlin.

Aufgenommen in Basel August 2015. Ein Film von bnd. 16.01 min

Inge Dick im Gespräch mit Tomás Rodriguez Soto am 08.06. 2015 in ihrer Ausstellung.

Länge: 14.31 min.