KURT BUCHWALD



Einzelausstellung

Kurt Buchwald: sichtabsicht, Fotografien 1987-2012
Aktionen und experimentelle Fotografie

18. Januar – 28. Februar 2014

 

Wir freuen uns mit den Werken des (Ost)-Berliner Künstlers Kurt Buchwald (*1953) eine weitere aussergewöhnliche Position in der Fotografie präsentieren zu können.

Die Ausstellung "Sichtabsicht" zeigt eine Auswahl von Werkzyklen beginnend mit "Null Uhr" aus der Serie Störbilder von 1984-88 über "Unscharfe Porträts" 1978-88, "Fotografieren verboten" 1988-2001, "Bilder + Blenden" 1990-2000, „Messerbilder“ 1997, "Stripes" 2000, "Im Kreis der Wahrnehmung" und „Röhrenmenschen“ ab 2002, sowie eine Fotoinstallation 1991 und eine Fotoskulptur 2013, seltene Videodokumentationen und Vintage Prints ab den 1980er Jahren.

Es ist die erste Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie. Seine Werke finden sich in zahlreichen internationalen privaten wie öffentlichen Sammlungen.


Kurt Buchwald mit Kamera
Kurt Buchwald mit Kamera

Kurt Buchwald gehörte zu den ganz großen Raritäten in der früheren Deutschen Demokratischen Republik. Er war ein Fotograf, aber ein zweifelnder Fotograf. Nicht, daß im anderen Teil Deutschlands in jenen Jahren zuwenig gezweifelt worden wäre. Doch Kurt Buchwald erregte Anstoß, da er die ihm wohlbekannten dialektischen Grundregeln in umfassender Weise anwandte: Seine Fotografie hinterfragte die Wirklichkeit - die fotografierte Wirklichkeit ließ am Fotografieren zweifeln. So entwickelte sich für Ihn die Kamera mehr und mehr als ein Mittel, Dialoge anzuzetteln, zwischen sich und den Mitmenschen, zwischen der Fotografie und dem zu Fotografierenden, zwischen der Wirklichkeit und den sie wahrnehmenden, zwischen dem Wahrgenommenen und dem Subjekt..., man könnte die Kette beliebig fortführen.

So entstand die Aktion „Fotografieren verboten“, in deren Verlauf er Aufkleber und Absperrungen vor berühmten Gebäuden anbrachte und die darauf folgenden Passantenäußerungen bis zur Polizeiaktion als Teil der Aktion deklarierte; so entstanden die unscharfen Portraits, in denen er das „Unwichtige und das „Wichtige“ ganz einfach vertauschte; so entstanden die „Störplätze und Stehplätze“, in denen der Fotograf sich selbst stets mitten ins Bild bringt - als unscharfen, das Bild fast völlig besetzenden schwarzen Umriß, so entwickelte er seine „Portraits am senkrechten Spalt“, in denen deutlich sichtbar in der Mitte des Bildes ein schwarzer Rahmen auf das Zentrum, auf den Fokus des Bildes verweist.

Bildstörungen, Bildverweise, Fotografierverbote, Wechselwirkungen von Wirklichkeit und Fotografie sind Mittel, die Kurt Buchwald immer wieder einsetzt, um die Menschen dazu zu bringen, über Bilder nachzudenken - gar nicht so sehr über seine Bilder. Seine Bilder betrachtet er nur als Beispiele, als Hilfsmittel und Anregung, um Nachdenken über Wirklichkeit und Fotografien von Wirklichkeit in Gang zu setzen.

So war Kurt Buchwald mit einem Mal mitten im Zentrum des gegenwärtigen künstlerischen Arbeitens mit Fotografie. Indem er seine künstlerische Arbeit aus der Aktion, aus dem Konzept heraus entwickelte, indem er die Kunst als Mittel zur Kommunikation begriff, das Publikum als Bestandteil seiner Arbeit, erwies er sich in den letzen Jahren als einer der unermüdlichsten Anreger der Berliner Kunstszene, erwies er sich gleichzeitig als tief verwurzelt in der Tradition der europäischen Kunst der vergangenen zwanzig Jahre, in der sich aus Konzeptkunst und künstlerischer Aktion ein wichtiger künstlerischer Zweig des Arbeitens mit Fotografie entwickelte. (1)

Mit Verve verfolgt Buchwald sein Experiment. Von 1990 bis 2000 beschäftigt sich der ehemalige Ingenieur mit der Störung der Kamerasicht. Dazu wurden im Projekt „Bilder+Blenden“ Scheiben mit Löchern und Spalten, in Schwarz und in Farbe, vor die Kamera montiert. Parallel beginnt er diese Blenden als meterhohe Wahrnehmungs- instrumente aufzustellen. Schließlich baut er Fotoskulpturen, die als Objekt die Beliebigkeit temporärer Bildaufhängung auflösen.

Mit der Serie „Stripes“ (2000) entstehen aus Interferenzen Lichtbilder ohne Gegenständlichkeit. Wie ein Magnet verbiegt ein vors Objektiv gesetzter schwarzer Keil Farbstreifen.  Damit hat er eine Grenze des Bildermachens erreicht. Im Gegensatz zu 1984, wo er das Fotografieren  in der Handlung „Finden - Fotografieren - Inbesitznehmen - Wegtragen“ beschreibt.

Die Aktion spielt bei Buchwald eine große Rolle. Seine Kunstfigur „Röhrenmensch“ (ab 2003) hat als Kopf ein Objektiv in Form einer Röhre. Als Laufaktion ist sie öffentlich zu sehen. Größtenteils ist das Aktionistische jedoch nicht zu erkennen, wie beim Projekt „Im Kreis der Wahrnehmung“ (ab 2002). Hier kann er mit der Bewegung einer Kameraröhre neue Lichtsituationen und Bilder generieren. Die Aufnahmen sind irritierend, der Betrachter glaubt zum Teil völlig anderes zu erkennen. 2012 lässt Buchwald Künstlerkollegen in einen Kasten schauen. Am anderen Ende ist eine Kamera montiert, ohne mediale Technik entsteht ein Guckkastenkino. So überrascht der inzwischen Sechzigjährige immer wieder mit neuen Bildideen. Buchwald  bringt die Fotografie dazu, über sich selbst zu sprechen. (2)

Textausüge von Reinhold Mißelbeck, profifoto 1993 (1)
und K. Bringewicht (2)


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Pressemitteilung vom 28.12.2013
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